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Montag, 20. Februar 2017

NIKKI LANE / Highway Queen [LP]

Tätä, da ist es endlich das dritte Studioalbum der einzig wahren Outlaw-Country-Queen. Das Cover des Albums, auf dem es sich NIKKI LANE auf einem gigantischen Texas Longhorn bequem macht, wird in diesem Jahr wohl niemand mehr toppen können. Das Vieh mit den ausladenden Hörnern hat Mrs. Lane - oder doch noch Ms., dazu später mehr - fest im Griff, aber wie schaut es mit der Musik aus? Zeigt sich Nikki genauso dominant und zupackend wie auf der Cover-Fotografie?


"Oh Yippie-Ki-Yeah!", der erste Song, "700.000 Rednecks", ist packend! Stimmlich packt Nikki im ordentlich groovenden desert-geschwängerten Countrysong alles aus, was sie zu bieten hat und selbstverständlich können die 700 000 Rednecks die taffe Lady nicht aufhalten!

Die Nummer "Highway Queen" war ja schon vorab veröffentlicht worden und hat sich deswegen sowieso schon in meinem Ohr festgesetzt. Wer in Zukunft die Vereinigten Staaten bereist und mit dem Auto Meilen frisst, wird um diesen Song als Wegbegeleiter, wenn er nicht gerade ein Redneck ist, nicht herumkommen.



Als Nikki in Europa 2016 auf Tour ist, erhält sie die Nachricht, dass ihr langjähriger Gitarrist an Krebs erkankt sei. Die auf Facebook sehr umtriebige Country-Queen erinnerte sich an einen Post auf  Facebook, den Levon Helms Frau postete, als dieser gegen den Krebs kämpfte und wie viel Unterstützung und Liebe dem Gründungsmitglied von The Band und seiner Frau aus dem scheinbar so anonymen Internet entgegenschlug.  

Nikki startet daraufhin für Alex ein Fundraiser-Projekt (https://www.gofundme.com/2erk5bqt), um diesen finanziell zu unterstützen und warb mit einem Facebook-Post dafür. Wie es derzeit um Alex steht, ist mir nicht bekannt, aber in den Liner Notes des Covers wird Alex Munzo nicht nur beim Song "Lay You Down", den Nikki inspiriert durch die Geschehnisse schrieb und in dem es um Abschiednehmen, Trauer und Tod geht, als Gitarrist aufgeführt. Hoffen wir das Beste.

Die nächste Nummer bläst sämtliche Gefühlsduselei des vorhergehenden Songs rasant vom Tisch, denn in "Jackpot" bekämpft Nikki den Blues mit einer Überdosis Liebe, einem Wink in Richtung Elvis und einem Trip nach Las Vegas. Der Mann, dem Nikki mutmaßlich diesen Song widmet, ist Jonathan Tyler, eben jener Herr, der auf dem Hochzeitsfoto in Las Vegas zu sehen ist, welches Nikki einen Tag vor Heilig Abend postete und meinen treuen Konzertbegleiter C. zutiefst erschütterte und der auf "Highway Queen" auch an vielen Stellen (Backing Vocals, Gitarre und Produzent) mitgewirkt hat. Nun, da aber das Video zu "Jackpot" veröffentlicht wurde, stellt sich die Frage, ob die Countrylady nur im Clip geheiratet oder tatsächlich "Ja" gesagt und dabei das Ereignis für das Video genutzt? Es besteht also noch Hoffung, dass die 33-Jährige noch nicht im Hafen der Ehe gelandet ist ;-).



Miss Lane muss wirklich ziemlich verliebt sein, denn auch das hübsch rumpelnde "Companion" klingt verdammt nach einer Liebeserklärung, obwohl man Zeilen wie "Cause I'm  run when you call. And I won't rest 'til I fall from the top of the hill to the bottom of a canyon. I wanna be your companion" auch schön von Liebe auf Freundschaft übertragen kann.



Bevor ich die Platte umdrehe, muss ich nochmal das Augenmerk auf das exzellente Artwork von Designer Ricardo Alessio und Fotograf Eden Tyler lenken. Dreht man das Cover um, sieht man auf der Rückseite Nikki breitbeinig auf zwei Longhorns stehen. Sie wirft uns ihren Cowboy-Hut entgegen und trägt ein schwarzes transparentes Etwas, dass man sich gut als Outfit für eine Hochzeitsnacht in Las Vegas vorstellen kann. Ihr Blick ist streng, vielleicht ein bisschen trotzig und die beiden Rinder scheinen demütig vor ihr das Haupt zu senken.

Im Gegensatz zum Frontcover ist das Bild auf der Rückseite nicht in schwarz-weiß gehalten, dafür aber das aufklappbare Textblatt im Inneren der Platte mit dem selben Motiv, bei dem sogar die Falzkante so gut liegt, dass ich wahrlich über einen Rahmensonderanfertigung und ein Plätzchen an einer Wand nachdenke. Mehr von dieser großartigen Foto-Session gibt es übrigens auf der oben verlinkten Homepage des Fotografen - es lohnt sich.

Mmmmh. Back to the music - the B-Side: Als Outlaw muss man ja ab und an mal ein bisschen böse sein, deswegen weißt Nikki großmäulig auf "Big Mouth" ein Großmaul  in seine Schranken. Gutes böses Mädchen! Scheint übrigens nicht nur eine aufgesetzte Attitüde zu sein, denn wie man an Kommentaren unter einem Post von einem Konzert am 18.02. in einer Bowling Bahn entnehmen kann, hat sich Nikki dort nicht wie eine feine Dame benommen, deswegen noch mal: Gutes böses Mädchen und ein bisschen Diva ist besser als stromlinienförmig!



Der Liebesreigen geht weiter mit "Foolish Heart", einer sanften Coutryballade, die sich gleichsdam für gebrochene und in Flammen stehende Herzen eignet und dem flotteren gutgelaunten "Send The Sun". Die Pedal Steel-Gitarre, gespielt von Ricky Ray Jackson, drückt besonders beim erstgenannten Song wirklich ordentlich auf die Tränendrüse. Seufz. Snief. Wer so verliebt ist, könnte tatsächlich wirklich geheiratet haben, oder? Vielleicht erfahren wir es beim Konzert am 25. Mai in Köln im Blue Shell? Ticket ist natürlich schon gebucht ;-)

"Muddy Waters" ist einer meiner Favoriten auf "Highway Queen". Ein Song, der zwischen Blues & Country Roots hin und her pendelt und der sicher auch als Hommage an den im Titel angeführten amerikanischen Bluesmusiker zu verstehen ist. Der Abschlusssong "Forever Last Forever" ist wieder ein traditionelle Country-Ballade mit wunderbaren Gitarrenakkorden und einer sehr gefühlvoll singenden Highway-Queen.



Es lässt sich feststellen, die Zusammenarbeit der Outlaw-Lady mit Jonathan Tyler scheint in jeglicher Hinsicht zu funktionieren und in Sachen Songwriting darf man Miss Lane auch einen Sprung nach vorne attestieren. Also dann werdet hat glücklich miteinander, verdammte Scheiße!

Zu guter letzt muss ich noch ein Versprechen aus den New Vol. 142 einlösen: Beine von Nikki auf dem Cover 15,6 cm. Horn des Longhorns 19,7 cm. Aber Nikkis Beine sind glatter und schöner!

Tracklist:
01 700.000 Rednecks
02 Highway Queen
03 Lay You Down
04 Jackpot
05 Companion
06 Big Mouth
07 Foolish Heart
08 Send The Sun
09 Muddy Waters
10 Forever Lasts Forever

Freitag, 17. Februar 2017

QUICK & DIRTY: BILDERBUCH / Magic Life

Published: 17.02.2017
Label: Topshelf Records
Genre: German HipHop, ArtPop, CrossoverPop
Country: Wien, Österreich


Members:
Maurice Ernst (Gesang, Gitarre), Michael Krammer (Gitarre), Peter Horazdovsky (Bass), Philipp Scheibl (Schlagzeug)


Das dritte Album der Österreicher "Schick Schock" (2015) war verdammt gut, aber meines Erachtens noch nicht durchgängig auf allerhöchstem Niveau. "Magic Life" gefällt mir besser! Sänger Maurice Ernst klingt noch nuscheliger, sodass man stellenweise schon genau hinhören muss, um seine wieder ziemlich exzellenten Texte verstehen zu können und selbst die kurzen gimmickartigen Songs sind keine Pausenfüller.

Es scheint also so, als hätten Maurice, Michael, Peter und Philipp den magischen Trank für intelligente und irgendwie auch neuartige Popmusik gefunden. In die HipHop-Schublade passen die vier mit ihrer Musik schon lange nicht mehr, mit dem neuen Album erreichen sie nun den Status, dass für die Österreicher eine neue Schublade gezimmert werden muss.

Schon der erste vorab veröffentlichte Song des Albums brach mit allem, was die Fans von BILDERBUCH eigentlich hören wollen, nämlich Musik zum hemmungslosen Abfeiern. Ganz im Gegenteil dazu war und ist "Sweetlove" eine Ballade, bei der die Gitarrenparts sicher nicht unabsichtlich an den verstorbenen Prince erinnern - zum Beweis versucht sich Maurice auch noch an der hohen Kopfstimme, die der Verstorbene so unnachahmlich einsetzen konnte.

Entwickeln sich die beiden Ösis etwa zu einem Traumpaar, wie es Morrissey und Johnny Marr waren? Ja wirklich, es wimmelt auf "Magic Life" geradezu von Gitarrenparts!



Aber Menschen, die durch Gitarren verschreckt werden, müssen sich keine allzu große Sorgen machen, denn die Party-Boys aus Wien bieten so viele Facetten, dass eigentlich ALLE mit dem Album glücklich werden müssten! Was irgendwie negativ klingt, aber überhaupt nicht so gemeint ist.



Beispiele gefällig? ALLE, die auf verschleppte Dope-Beats und elektronische Sounds stehen und auch dem Funk, wie in Funkadelic einst zelebrierten, nicht abgeneigt sind, müssen "I <3 Stress" lieben. Für Musikfreunde mit jüngerem Baujahr darf man Kendrick Lamar natürlich auch als Referenz anführen. ALLE, die den Partymonster-Song vermissen, sind mit "Bungalow" wieder versöhnt. ALLE, die es gerne klackern und klicken hören und bei denen fette Beats aus den Lausprechern kriechen müssen, dürften mit "Sprit n' Soda" sich und ihre Bassmembran glücklich machen. Die Gitarrenwixerei passt auch sehr gut dazu.



Der Titel mit dem längsten Namen "Erzähl Deinen Mädels Ich Bin Wieder In Der Stadt" wird alte Männer und nicht mehr ganz junge Frauen an die NDW , Falco und Spliff  denken und in Nostalgie versinken lassen - auch wenn die Sounds zeitgemäß sind. Wer die plumperen Sachen von Deichkind mag und den Sexzwerg aus Minneapolis vermisst, ist mit "SUPERFUNKYPARTYTIME" volltotalhappy.



Dann wäre da noch der Song "Investment 7", die Fortsetzung von "Gigolo", der die melancholische Seite des "Magic Life" beleuchtet - also was für Trauerklößchen, aber auch für ALLE, die kleine Raffinessen in einer Komposition zu schätzen wissen. Der dem Album den Namen gebende Song erfreut ALLE, die James Blake und das letzte Bon Iver-Album im Regal stehen haben und "Baba" ist der Konsensknaller, der wohl ALLEN gefällt. Zu guter Letzt werden noch die Freunde der Rhythmik mit "sneakers4free" bedient, bei dem Maurice das Nuscheln wirklich fast bleiben lässt. The "Magic Life" glitters and sparkles brightly - for everyone!

Tracklist:
01 Carpe/Diem
02  I <3 Stress
03 Sweetlove
04 Baba 2
05 Bungalow
06 Sprit n' Soda
07 Erzähl Deinen Mädels Ich Bin Wieder In Der Stadt
08 SUPERFUNKYPARTYTIME
09 Investment 7
10 Magic Life
11 Baba
12 sneakers4free
13 Babylon

Mittwoch, 15. Februar 2017

NEW SONGS Vol. 147: HARLEA / You Don't Get It ... THE ROUTES / Perfect Hell + No Permanence ... LOVE A / Nichts ist leicht ... NIKOLAUS WOLF / Snow Covered Fields


HARLEA / You Don't Get It

Ich verliebe mich ja gerne kurzfristig in Frauen im Rockbusiness - meine treuen Konzertbegleiter können davon ein Liedchen singen. Das ist natürlich nicht die einzige wahre Liebe, die habe ich schon seit Langem gefunden, aber schon so etwas wie Schmetterlinge im Bauch. Wahrscheinlich liegt es an der Kombination Gitarre + Frau +Stimme, die mich immer wieder derart fasziniert.

Die 24-jährige Britin HARLEA hat mein Herzlein auf jeden Fall sofort in Flammen gesetzt. Was für eine große Soulstimme! Sie klingt wie eine gefährliche Mischung aus Joyce „Baby Jean“ Kennedy, Joss Stone und Alison Mosshart! Was für wunderbar schmutzige und pulsierende Blues-Grooves! Ja, das visuelle Erscheinungsbild der in Birmigham geborenen und in Nordlondon aufgewachsenen Rockmaid ist auch nicht von schlechten Eltern. Will mehr!




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THE ROUTES / Perfect Hell + No Permanence

THE ROUTES klingen, laut Pressetext, auf jedem Album irgendwie anders: Das Debütalbum "Left My Mind" war stark von R&B beeinflusst, "Alligator" setzte auf verspielten US-Garage und 2016 setzten sie bei "Skeletons" auf eine Prise Punk.

Soweit der Pressetext. Tatsache ist, dass die Jungs immer einen Sound generieren, der nach den UK-Sixties klingt und mit Stomp'n'Grind, GarageRock, GaragePunk, Surf und Rhythm & Blues spielt.

Die ersten beiden Vorboten, aus dem am 17. März erscheinenden Album "In This Perfect Hell", sprechen dafür, dass sich das Trio aus Hita (Japan) dieses Mal auch psychedelische Ausflüge erlaubt. Es lebe das Fuzz-Pedal!




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LOVE A / Nichts ist leicht

Man muss sich noch bis zum 12. Mai gedulden, bis das neue Album "Nichts ist neu" von LOVE A erscheint.

Das ist nicht leicht, aber was ist das heutzutage schon noch leicht? Die Vorabveröffentlichung des German PostPunk-Quartetts geht sogar so weit zu behaupten "Nichts ist leicht"!

Es ist auch nichts Neues, was uns Herr Merchenbier, Herr Weyer, Herr Mercier und Herr Brausch servieren. Es ist, was es ist, ideale Musik um Ballast abzuwerfen und die blank liegenden Nerven zu beruhigen.

Und ich hoffe - ich hoffe auch im Sinne der Band - dass in Amerika sich auch nicht so viel ändert. Es können sich nämlich auch Dinge in die falsche Richtung ändern ;-(. F*** TRUMP!




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NIKOLAUS WOLF / Snow Covered Fields

NIKOLAUS WOLF heißt eigentlich Michi Rieder. Der aus Inzell in Bayern stammende Singer & Songwriter findet aber dass es sich unter dem Namen seines Uropas besser Musik machen lässt. Googlekompatibel ist der Name wahrlich nicht, aber vielleicht trägt deswegen seine vier Songs enthaltente Debüt-EP den seltsamen Namen "Roekki Zimt".

Der sich selbst als etwas verrückt bezeichnete Bayer macht Folkmusik die Schnittstellen zu BritPop aufweist und klingt als wäre sie im Amerika der glorreichen Sechziger entstanden - klanglich merkt man allerdings schon, dass Herr Wolf auf der Höhe der Zeit ist!




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