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Sonntag, 28. Mai 2017

ARCHIE AND THE BUNKERS Made My Day! You're My Pacemaker! + Sally Lou!


 

ARCHIE AND THE BUNKERS
Homepage: https://www.archieandthebunkers.com/
From: Cleveland (Ohio), USA


Vorsicht! Bevor man sich über die beiden Bubis, die das Duo ARCHIE AND THE BUNKERS bilden lustig macht, sollte man wissen, dass die beiden Knaben bei keinem geringeren Label als Third Man Records unterzeichnet haben. Wer einmal Jack White live erlebt hat weiß, was für ein Perfektionist er ist und so ist stark anzunehmen, dass der Labelchef auch ein Auge auf die Bands hat, die für sein Label zeichnen. 

Gegründet würde die Teenagerband 2013 von den Brüdern Emmett (Vox, Schlagzeug) und Cullen O'Connor (Vox, Keys). Die ersten beiden EPs wurden im heimischen Keller selbst produziert und 2014 auch das erste Album "Trade Winds". Es dauerte nicht lange, bis das Label Dirty Water Records auf den wilden GarageOrgelPunk-Sound aufmerksam wurde. Man nahm die Jungs unter Vertrag und veröffentlichte 2015, das waren die Teens noch auf der Highschool, das den Bandnamen tragende zweite Album. 


Jetzt also noch eine Nummer größer und demnächst unter einem Label mit The White Stripes, Seasick Steve und Wanda Jackson. Der erste neue Song vom Ende des Jahres erscheinenden dritten Longplayers nennt sich "You're my Pacemaker" und orgelt sich wild in Richtung NewWave. Fein! Noch besser gefällt mir allerdings "Sally Lou" der auf dem 2015er Album zu finden ist. Auf jeden Fall: Archie MADE MY DAY!


 

Samstag, 27. Mai 2017

NIKKI LANE live im Blue Shell [Cologne, 25.05.2017]

Location: Blue Shell, Köln
Date: 25.05.2017
Support:  Ruby Boots

 

Do you believe in Country? Fragte man mich vor zwanzig Jahren, welche Musik ich höre, dann war meine Antwort immer: "ALLES außer Reggae und Country". Nun, "The Times They Are A-Changin'" und so wächst die Sparte Country in meiner Plattensammlung stetig und rasant. Heute würde die Antwort lauten: ALLES außer Schlager und diesen ganzen schlimmen deutschen Schablonen-Befindlichkeitspop.

Eine, die großen Anteil daran hat, dass durch die Countrymusik ein frischer Wind weht und sich mein Herz für Country immer mehr erwärmt, ist die in South Carolina als Nicole Lane Frady geborene NIKKI LANE. Zwar orientiert sich Nikki stark am Outlaw-Country, aber die "Highway Queen" interpretiert diesen auf ihre eigene Art, indem sie Blues- und auch GarageRock-Elemente leichtfüssig in ihr Songwriting integriert.

Bereits im Mai des letzten Jahres gab Nikki, allerdings nicht mit ihrer richtigen Band, im Studio 672 ein famoses Konzert. Logisch, dass seitdem die Fühler ausgestreckt sind, wenn das böse Countrygirl auf Tour geht und wir unsere Tickets längst in der Tasche hatten, als wir an diesem sommerlichen Abend am Blue Shell eintreffen.

War ich beim letzten Konzert noch nicht ganz mit Nikkis Reportoire vertraut, so habe ich in der Zwischenzeit diese Lücke längst geschlossen und freue mich heute auch darauf, dass Nikki vielleicht ein paar Songs aus ihrem Debütalbum "Walk Of Shame" spielt. "Blue Star in the Sky"? "Lies"?

Das Blue Shell scheint nicht ganz ausverkauft, aber gut gefüllt und Prominenz ist auch da, denn an der Theke bekomme ich mit, wie Eric Pfeil erläutert, dass er so seine Probleme mit Elvis Costello hat - geht mir übrigens auch so.

Nikki steht bereits am Merchandise-Stand, an dem es zu unserem großen Entsetzen kein Vinyl gibt! Man kann zwar portofrei bei Nikki die neue LP "Highway Queen" bestellen, aber ich brauche doch noch das Debütalbum auf Vinyl und meinem treuen Konzertbegleiter C. fehlt noch "All Or Nothin" in seiner Sammlung! Wo sich Nikki gerade so publikumsnah gibt, packe ich die Gelegenheit beim Schopfe und kläre zwei wichtige Dinge mit Nikki.



Erstens, "What happend in Las Vegas"! Ich höre eine zentnerlast vom Herzen meines treuen Konzertbegleiters plumsen, als Nikki beteuert, dass wir uns keine Sorgen machen müssen, es war nur ein großer Spaß. Die Outlaw-Queen ist also weiterhin ungebunden - Ring am Finger Fehlanzeige!

Z
weitens, "Wo sind die sagenhaft teuren aber sehr süßen Skull-Panties vom letzten Konzert?" . Dass die unverwüstliche V. heute leider nicht dabei sein kann, hofft sie, dass der damalige Preis von 30$ gesunken ist und wir ihr eine Unterbuchse erstehen können. Aber da hat V. Pech gehabt, denn wie Nikki mir mitteilt, sind die rasanten von Nikki selbst designten Höschen restlos ausverkauft. Tja V. Chance vertan.

Punkt 21 Uhr beginnt das Konzert mit RUBY BOOTS aus Australien (Perth) - mittlerweile aber wie Nikki in Nashville zuhause - die den Support für Miss Lane bestreitet.

Die rothaarige Australierin, bürgerlich Bex Chilcott, ist mir bisher unbekannt, aber der etwas traditionelle Country, den Ruby alleine, nur mit ihrer Gitarre bewaffnet spielt, ist gefällig. Außerdem verfügt sie über eine wirklich kräftige und schön rauchige Stimme, die sich bei einigen Songs fast überschlägt.

Als dann beim zweiten Stück Nikki auf die Bühne kommt und die beiden Ladies einen Song vortragen, den sie zussammengeschrieben haben, ist klar, dass die beiden wohl auch eine Freundschaft verbindet. Macht Spaß! Der Gig dauert knapp 40 Minuten, dann kurze Pause, Bierchen holen, eine quarzen und fertig machen für die Königin.

Ihre Hoheit betritt mit drei Herren, zwei Gitarristen und einem Schlagzeuger (ohne Hut!) die Bühne. Auf ihrer Gitarre steht "Highway Queen" und damit eröffnet sie folgerichtig das Konzert. Vor mit steht ein weißhaariger Riese mit Cowboyhut und Lacoste-T-Shirt. Wir sind uns alle drei sicher, dass dies der Herr ist, der beim Konzert im Stadtgarten sich all zu prominent mit dem Barhocker platzierte und mit seinem Verhalten dafür sorgte, dass meine Frau ihn nicht vergisst ;-).

Als sich dann aber ein Lücke auftut bin ich ganz nah dran an Nikki, lausche erst den "700. 000 Rednecks" und schmelze dann bei "You Can't Talk To Me" dahin. Wie zu erwarten, ist Nikki mit Bandbegleitung deutlich druckvoller, was sich im Vergleich zum letzten Konzert besonders beim nach "Send The Sun" und "Loves On Fire" (Duett mit ihrem Gitarristen) gespielten Männer-Arschtritt-Song "Man up" bemerkbar macht.



Überhaupt legt Nikki noch ein Schippe drauf! Heute gibt es keine Längen, die Songs sitzen, auch wenn der ein oder andere Akkord verschollen scheint ;-). Das Publikum wird bestens entertaint! Nikki ist auch auf der Bühne keine Spur unnahbar oder blasiert, sondern authentisch, leidenschaftlich und wie immer sehr gesprächig, So erfahren wir, dass sie gerne auch mal am Weed zieht und in Deutschland zum ersten Mal mit einem Gemüse in Berührung gekommen ist, welches sie nun am liebsten zum Frühstück, zum Mittag- und zum Abendessen verspeist. Spargel zum Frühstück? Warum nicht!

"Gone Gone Gone" ist der erste Song von ihrem Debütalbum, den sie heute Abend spielt und meine Zuversicht auf "Blue Star" verstärkt sich. Es folgt "Companion" vom aktuellen Album und dann "Waymore's Blues", eine erdige Coverversion von Waylon Jennings.

Dann verlässt die Band die Bühne und es gibt Nikki pur. Als sie nach einem Wunschsong fragt, nutze ich die Chance und rufe "Blue Star". Ich bekomme was mein Herz begehrt! Nikki singt eine hinreißende Acapella-Version für mich und ich alter Schurke bekomme tatsächlich weiche Knie - gut, dass mich meine Frau immer wieder erdet ;-)

Irgenwie kommt die Band zurück auf die Bühne während ich noch auf Wolke 7 schwebe und es folgen das rockige "Big Mouth", das groovige "All Or Nothing" und als angekündigt letzter Song das tieftraurige "Forever Last Forever". Diese drei Songs bilden perfekt das Spektrum ab, welches den Nikki Lane-Kosmos bildet. Der sich mit einfachen Worten auch so umschreiben lässt: feiern, schimpfen, trauern, lieben - Reihenfolge irrelvant.

Natürlich gibt es eine Zugabe. Ruby ist zurück auf der Bühne und gemeinsam singen die Ladies mit der Band "Wrap Me In A Fever" von Rubys Debütalbum.



Wahrlich heute hier zu sein ist the "Right Time", es ist zwar noch nicht 2 Uhr und wir sitzen nicht an der Bar, aber wie singt Nikki im besagten Song so richtig: "Any day or night time. It's always the right time. It's always the right time to do the wrong thing". Völlig falsch wäre es aber den heutigen Abend als Fehler zu bezeichnen. Tut mir leid unverwüstliche V., aber heute gibt es keinen besseren Ort auf der Welt als das Blue Shell ;-)

Mit dem euphorischen "Jackpot", bei dem das Konzert jetzt eigentlich als Party deklariert werden darf und ich mit einem Konzertbesucher, der aussieht wie Mac DeMarco, aber ohne Zahnlücke, den Refrain lauthals mitsinge, heizt Nikki dem Publikum weiter ein.

Den Schlusspunkt des Abends bilden - wenn die abfotografierte Setlist stimmt, auf unsere Erinnerung können wir uns zu diesem Zeitpunkt nicht mehr verlassen - mit "Why You've Been Gone So Long" und "You Ain't Going Nowhere" zwei Coverversionen. Danke Nikki und auf jeden Fall bis zum nächsten Mal - Spargelsaison ist ja immer einmal im Jahr!

Nachtrag: Wer das Cover von ihrem Debütalbum kennt, wird sich schon oft die Frage gestellt haben ob da bei der Augenfarbe Photoshop mitgeholfen hat. Auch diese Frage wurde heute Abend geklärt! Die Antwort ist nein und Nikki trägt auch keine Kontaktlinsen.


SETLIST:
Highway Queen
700k
You Can't Talk To Me
Man Up
Send The Sun
Loves On Fire
Gone Gone Gone
Companion
Waymore's Blues
Blue Star in the Sky
(Nikki Solo, Acapella Version)
Big Mouth
All Or Nothing
Forever Last Forever
Wrap Me In A Fever
(Ruby Boots)
Right time
Jackpot
Why You've Been Gone So Long
(Joe Fletcher?) 
You Ain't Going Nowhere (Bob Dylan)



Montag, 22. Mai 2017

QUICK & DIRTY: COLTER WALL / Colter Wall

Published: 11.05.2017
Label: Young Mary's Record Co.
Genre: Country, Americana, Folk, Blues
Country: Saskatchewan, Kanada



Members: Colter Wall

Wahrscheinlich wird keine einzige Review über das Debüt-Album des Kanadiers COLTER WALL ohne einen Vergleich mit dem einflussreichsten US-amerikanischen Country-Sänger aller Zeiten auskommen.

Das rührt erstens daher, dass Wall's Stimme, wie die des Mannes in schwarz, ein sehr markanter Bassbariton ist und zweitens, dass der Kanadier mit Sicherheit die Alben der "American-Recordings"-Serie des Songwriters aus Arkansas genauso sehr schätzt, wie jeder, für den Musik mehr ist als ein Konsumgut für zwischendurch. Drittens ist Colter Wall ein begnadeter Geschichtenerzähler.

Wall ist in den weiten Prärielandschaften von Saskatchewan aufgewachsen, lebt aber seit geraumer Zeit in Kentucky, wo er immer wieder auf Menschen trifft, die gar nicht glauben wollen, dass ein Kanadier die amerikanische Countrymusik so verinnerlichen kann. Aber wenn man darüber nachdenkt, passt diese tieftraurige handgemachte und ursprüngliche Musik doch perfekt zur landschaftlichen ursprünglichen Weite, die seine Heimatprovinz auszeichnet.



Bereits 2015 veröffentlichte Wall die EP "Imaginary Appalachia", die ihm schnell dazu verhalf, zu einem der Hoffnungsträger im Country-Genre zu werden. Zwei Jahre musste die Country-Musik-Gemeinde warten, bis Wall nun endlich seinen ersten, schlicht "Colter Wall" betitelten Longplayer der hungernden Meute darreicht.



Das Warten hat sich gelohnt, denn Colter Wall widersteht der Versuchung zu viel zu wollen und serviert puren (neo-)traditionellen Country. Das gelingt verzüglich, weil Wall die Fähigkeit hat, wie Johnny Cash, Merle Haggard oder auch Steve Earl die Seele des Zuhörers mit seinen Songs zu berühren - nicht nur durch die Musik, sondern auch durch die Geschichten, die er mit seinen Liedern erzählt. Um ein ganz Großer des Genres zu werden, muss er es nur noch etwas stärker schaffen, seine Geschichten von den typischen Countrythematiken zu lösen - als Anschauungsbeispiel könnte man ihm die Texte von Father John Misty an die Hand geben.


Beste Songs:
"Kate McCannon": Die etwas andere Mörderballade. Wall führt ein fiktives Gespräch mit einem Raben, der sich als Mörder eines hübschen Mädchens outet.



"Transcendent Ramblin' Railroad Blues": Einer der schönsten On-The-Road-Songs aller Zeiten und ein hervorgander Neuzugang für Raucher, die über eine Tobacco-Songs-Playlist verfügen ;-)

"Fraulein": Wir wissen nicht ob Colter Wall tatsächlich Verbindungen ins schöne Rheinland hat, aber selbstverständlich kann es sich bei dem Fräulein, welches er besingt, nur um ein kölsches Mädchen handeln. Die Dame, die sich angesprochen fühlt und nachts, wenn sie in die Sterne schaut an einen bärtigen jungen Mann hinter dem großen Teich denkt, möge sich bitte melden.

Übrigens, nicht vom großartigen Cover reinlegen lassen! Wall ist kein alter Country-Haudeken, sondern mit seinen 21 Jahren gerade soeben dem Stimmbruch und Teenageralter entsprungen. Je nach Whiskey und Tobacco-Genuss wächst da ein neuer Leonard Cohen heran!


Tracklist:
01 Thirteen Silver Dollars
02 Codeine Dream
03 Me and Big Dave
04 Motorcycle
05 Kate McCannon
06 W.B.'s Talkin
07 Snake Mountain Blues
08 You Look to Yours
09 Transcendent Ramblin' Railroad Blues
10 Fraulein
11 Bald Butte