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Montag, 31. Oktober 2016

ANGEL OLSEN live im Stadtgarten / Support: Little Wings

Location: Stadtgarten, Köln
Date: 28.10.2016

 

Meinen Konzertbericht zu ANGEL OLSENS Auftritt im März 2014 im King Georg begann ich mit dem Satz "Sie sieht irgendwie ziemlich grimmig aus die Frau Olsen." 2016 in der wesentlich größeren Location Stadtgarten zeigt sich Angel dagegen gut gelaunt und mit großem Drang, ihren Weg auf die großen Bühnen weiter zu beschreiten.

Die musikalische Weiterentwicklung der mittlerweile 29-jährigen Künstlerin, die mit dem aktuellen Album "My Woman" viele überraschte, weil sie neue Wege beschritt, zeigte sich auch eindrucksvoll auf der Bühne. Die Metamorphose von der Folk-Singer/Songwriterin zum Gesamtkunstwerk Angel Olsen ist unaufhaltsam auf dem Vormarsch.

Aber vor dem Haupt-Act steht der Support, und weil dieser an diesem Abend der beste, den ich dieses Jahr erleben durfte war, dauert es noch einige Zeilen, bis weitere Worte zu Madame Olsen folgen.

19:45 der Saal ist noch nicht wirklich gefüllt, da steht ein Mann mit einer Pudelmütze mit Golfer-Männchen-Stickerei, im Holzfällerhemd und mit wirrem Rauschebart auf der Bühne. Er beginnt zu singen und man merkt, wie das Publikum urplötzlich die Aufmerksamkeit erhöht. Die senore, an Bill Callahan erinnernde Stimme, gehört dem 1972 in Alabama geborenem Kyle Field, der schon als Kind nach Kalifornien übersiedelte und so behauptet Wikipedia, als Surferboy aufwuchs - das derzeitige Erscheinungsbild passt allerdings viel mehr zu seinem Geburtsort.

Seine musikalische Karriere begann Kyle als Bassist und Sänger in der Band Rodriguez an der Seite von M. Ward, der sicher auch Einigen ein Begriff sein dürfte. Die Band gründete sich 1992 und löste sich nach der Veröffentlichung des Debütalbums "Swing Like A Metronome" 2000 auf.

Noch im gleichen Jahr begann Fields unter dem Bandnamen LITTLE WINGS mit wechselnden Musikern an seiner Seite sein eigenes Ding zu machen.

Heute Abend stehen neben ihm auf der Bühne ein Bassist und ein Schlagzeuger, aber wer das Zepter in der Hand hält, ist unverkennbar.  

Fields wirkt wunderbar spleenig. Er wechselt immer wieder zwischen seiner tiefen Stimme und einer Kopfstimme, die gerne auch mal bricht. Er gluckst und giggelt, generiert gutturale Laute, die man noch nie gehört hat und macht herrlich unkonventionelle Tanzdarbietungen. Von Song zu Song entledigt er sich seiner Klamotten und steht schließlich nur noch im Schlumpfshirt, das von zahlreichen Löchern durchsetzt ist und weißer Leinenhose auf der Bühne. Dieser Mann schert sich einen Scheiß darum, was die Leute von ihm denken. Was sie von ihm und seiner Musik halten, wird allerdings immer deutlicher, denn der Applaus nach jedem Song wächst stetig.

Auch in unserer achtköpfigen Konzertbesuchergruppe leuchten die Augen zusehends und man fragt sich, weshalb niemand bisher auf diese Band aufmerksam geworden ist, nur Nina erinnert sich, dass sie die Band wohl schon einmal als Support gesehen hat.

Die Songs, vorwiegend aus dem 2014 aufgenommenen Album "Explains", sind eigentlich klassische Folksongs, die aber durch das Arrangement und vor allem das ungewöhnliche Schlagzeugspiel Jazz und Surfsounds integrieren. Die Texte sind witzig, charmant und voller Ironie, ganz besonders, der leider noch nicht auf Vinyl erschienene Song "What can you say about Paradis?", den Field erst während der Tournee mit Angel schrieb, ist ein echtes Highlight, welcher sicher auf dem nächsten Longplayer zu finden sein wird.



Selbstverständlich komme ich nach dem Konzert nicht umhin, die aktuelle LP zu erwerben, die ich hiermit allen Freunden von handgemachter Musik wärmstens empfehlen möchte. Zwar geht etwas von der Live-Magie, die Field umgibt, auf der Konserve verloren, weil eben die Inbrunst, mit der er als geschichtenerzählender Troubadour die Bühne beherrscht, nur erahnt werden kann, aber trotzdem gehört das Album nach nur zweimaligem Durchhören schon zu meinen liebsten Folk-Alben in meiner nicht armseeligen Plattensammlung. Mein treuer Konzertbegleiter C., der diesen Abend verpasste, darf sich getrost in den Arsch gekniffen fühlen.

Nach kurzer Pause mit ausgiebigem Bühnenumbau - silberfarbenes Tuch schmückt das Keyboard, so dass ich auf den Einsatz der aus Angels letztem Video ("Shut Up Kiss Me") bekannten Lametta-Perücke spekuliere - betritt der Engel, dieses Mal, entgegen dem Drei-Mann-Aufttritt im King Georg mit fünf weiteren Musikern die Bühne. Die Lametta-Perücke fehlt allerdings, ebenso wie die rote Strumpfhose beim letzten Mal.


Das Set wird mit "Never be mine" vom neuen Album eröffnet. Angels Stimme ist von Anfang an das Zentrum, um welches alles kreist. Es gibt wahrlich nur sehr wenige Sängerinnen, deren Stimme so variabel ist. Einerseits beherrscht sie es mit einer Laszivität zu singen, die Lana del Rey in den Schatten stellt, andererseits kann sie mit ihre Stimme so schneidend klingen, dass man fürchtet, sich daran zu verletzten. Und genau diese Variabilität macht sich Madame Olsen auf "My Woman" erstmals perfekt zu nutzen, indem sie ihr musikalisches Spektrum massiv ausweitet und ihre Stimme entsprechend einsetzt.



Beim Song "Shut Up Kiss Me" zeigt sich, dass der Live-Sound im Vergleich zur Platte sogar noch fetter ist. Die sechs Musiker sind perfekt eingespielt, lediglich mit den Soundtechnikern gibt es einige Probleme, da diese Angels Stimme wegen ihres Spektrums nur schwer in den Griff zu bekommen scheinen und immer wieder nachpegeln müsse. Außerdem nervt leider das Brummen einer Monitorbox, speziell bei den leisen Stücken enorm.

Aber trotzdem ist es sehr augenscheinlich, dass Angel viel Spaß an ihrem neuen Sound hat. Im Vergleich zum Konzert 2014 lächelt sie viel mehr, speziell wenn sie Augenkontakt zu ihrer Keyboardering und Backing-Sängerin aufnimmt. Das macht sie etwas weniger unnahbar und durchbricht so ihre sonst eher unterkühlte Ausstrahlung. Der Herr Professor in unserer Runde hat trotzdem nicht unrecht, wenn er sie mit Gundel Gaukeley, der Gegenspielerin Dagobert Ducks aus den Disney-Comics vergleicht. Sorry Angel ;-)

Das Set besteht hauptsächlich aus den Stücken von den letzten beiden Alben. Highlights sind natürlich das, wenn man so will die neue Ära einleitende "Hi-Five" und die längeren Stücke wie "Heart Shaped Face" und speziell "Sister", welches live das jamartige Finale des Songs noch verstärkt und deutlich zeigt, wozu Angel in Zukunft noch in der Lage sein kann. Ja, dieser Engel kann auch rocken!

Auch die getragenen Stücke wie "Those were the Days" entfalten, trotz der nicht ganz so intimen Atmosphäre wie damals im King Georg, ihre Wirkung. Schwelgerische Melancholie durchtränkt den Stadtgarten. Angel kann rocken, aber sie hat auch keinerlei Berührungsängste, ihre verletzliche Seite zu zeigen. Als Backgroundsängerin, wie sie ihre Karriere begann, muss Angel sicher niemals mehr ihre Brötchen verdienen. Diese Künstlerin ist gewachsen und ich bin sicher, dass noch mehr Potential in ihr steckt und sie beim nächsten Besuch in Köln noch größere Hallen füllen wird.


Nach knapp einer Stunde setzt das furios grungige "Give it up" den Schlusspunkt, ich bin euphorisiert und hoffe, dass sie nicht wie damals wirklich schon nach 60 Minuten die Segel streicht. Mein Flehen wird erhört, denn nach tosendem Applaus im nicht ganz ausverkauften Stadtgarten kommt Angel mit reduzierter Bandbesetzung zurück auf die Bühne.

Als Zugabe spielt Angel das in Keys getränkte "Intern" und das ausufernde "Woman", welches mich auf Platte bisher nicht so in den Bann ziehen konnte, mich live aber restlos überzeugt. Den Genuss, nur sie und ihre akustische Gitarre ganz intim, gibt es heute Abend nicht mehr, aber den hatte ich ja Gott sei Dank schon beim letzten Mal erleben dürfen, also alles gut.

Mit Angel ist übrigens nicht zu spaßen, wie ein all zu eifriger Konzertfilmer feststellen musste, dem sie erst den Mittelfinger in die Kamera entgegenstreckte und dann von einem Ordner des Platzes verweisen ließ. Und da muss ich schon wieder lächelnd an den Vergleich mit Gundel denken, und dass ich schon immer ein Herz für Bösewichte habe ;-)

Ö

... und Danke an B. für die Fotos!




Freitag, 28. Oktober 2016

FRIENDS OF GAS / Fatal Schwach [LP]

Es mehren sich die Zeichen, dass München den Anspruch erhebt, doch eine größere Rolle im nationalen Pop- u. Rockgeschäft zu spielen. Es bebt in München und Schuld daran ist die vor zwei Jahren gegründete fünfköpfige Formation FRIENDS OF GAS, die jetzt auf Staatsakt, wo sonst, ihr Debüt „Fatal Schwach“ veröffentlicht. Und dieses Album ist eine Urgewalt!


Sängerin Nina Walsers Stimme ist die wütende Faust, die DICH am Nacken packt. Das Brachialeste, was man seit langer langer Zeit in der deutschsprachigen Rockmusik erleben durfte - wahrscheinlich seit dem letzten Surrogat-Album.

Es ist zwar sehr aufregend, was die Münchner auf  "Fatal Schwach" alles anstellen, allerdings muss man auch sagen, dass der Ansatz wahrlich kein neuer ist. Rock-Fans, die schon ein paar Jährchen auf dem Buckel haben, werden sicher ganz schnell Rückschlüsse auf Bands wie Malaria, den Einstürzenden Neubauten, den bereits genannten Surrogat und im internationalen Bereich Sonic Youth, ziehen.

Das ist legitim, denn Friends of Gas rezitieren in ihren Texten ebenfalls aus vergangenen Rockzeiten, macht den Hype, sogar Der Spiegel berichtet, um das Album aber etwas unverständlich - welches natürlich trotz all des Wirbels ein Schatzkästchen der Freude für Musikfans der dunklen Seite ist.

Sieben Songs, vorwiegend in Überlänge, brechen sich gewaltsam durch das vom Max Rieger (Die Nerven) gewohnt feinfühlig, gewohnt energetisch produzierte Debütalbum. Es ist betrörend schmerzvoll, wie sich Nina Walser an der Seite von nervensägenden Gitarrenriffs und kompromisloser Schlagzeugbearbeitung durch "Template" quält. Die schreit, sie sucht den Wahnsinn in sich und in der Musik. Scheitern erlaubt, aber nicht vorgegeben.



Schier ewige 7:20 Minuten lang panikt sich Walser anschließend durch das "Ewige(s) Haus". Die Wände zittern vom ewig brummenden Basslauf (Martin Tagar), die Gitarren von Veronica Burnuthian und Thomas Westner kratzen über den Boden. Was den Neubauten das Haus der Lüge ist, ist den Münchnern das ewige Haus. Licht an und raus hier oder Kälte kriecht!

"Involuntary" ist eines von zwei Stücken in englischer Sprache, aber ansonsten bleibt das Quintett der Marschroute minimalistischem PostPunk mit Noise-Attacken, wie er in den deutschsprachigen Songs zelebriert wird, verbunden. Warum der Sprachenwechsel notwendig ist, erschließt sich mir nicht. In der Muttersprache packt micht die Wucht der Stimme und die Magie der Songs deutlich mehr.

Der gewaltigste Song auf "Fatal Schwach" ist ohne wenn und aber "Kollektives Träumen". Das erinnert an die Band des Produzenten, das geht voran, das ist wie eine Minute schweben, das macht keine Geschichte, aber ordentlich Krawall. Wenn mal wieder der nächste Fucking Monday über dei Stränge schlägt, werde ich mit "Kollektives Träumen" Ballast abwerfen. Danke dafür!



"Saurer Schnee" fällt bedächtig, Flocke für Flocke, Ton für Ton, stapelt sich, verbindet sich, verändert das Gesehene, wirbelt auf und begräbt schließlich alles unter sich. Alles verändert. Alles Gut? NEIN! Weil viel zu viele einknicken. Wer verträgt schon noch Kaltes Klares Wasser? Alle Warmduscher und Bücklinge bekommen in "Einknick" mal so richtig den Mittelfinger ins Gesicht gestreckt. Vorsicht, dass dabei die schönen weißen Zähne nix abbekommen!

"Teeth" ist der zweite englischsprachige Song. Wer braucht heute schon noch Zähne? Vegan geht ohne, da muss man nicht fest zubeißen können. Ist der Mensch ein Raubtier ohne Zähne? Friends of Gas bohren auf die Wurzel! Tut weh! Zerstört die Zelle! Tut gut!

"Fatal Schwach": Alles gut!

Bleibt noch in eigener Sache zu erwähnen, dass es Staatsakt dieses Jahr ja wohl eindeutig übertreibt! Isolation Berlin, Nicolas Sturm, Palminger, All diese Gewalt, Der Spielmacher, Stereo Total. Das Haushaltsloch wird immer tiefer - vielleicht sollte ich meine Plattensammlung nach Labeln sortieren :-)


Tracklist:
01 Template
02 Ewiges Haus
03 Involuntary
04 Kollektives Träumen
05 Saurer Schnee
06 Einknick
07 Teeth

Dienstag, 25. Oktober 2016

RAMONA FALLS / Prophet [LP]

HERZPLATTENREMEMBER THAT OLD SHIT
Kategorie: IndieProgPop / Alternative / PsychedelicIndieRock
Veröffentlichung: 2012

 

Multi-Instrumentalist Brent Knopf, bis 2011 Mitglied von Menomena, heute zusammen mit Matt Berninger von The National ein Teil des Duos EL VY, gründet 2009 das Projekt RAMONA FALLS. Nach dem Debüt "Intuit" im Gründungsjahr erscheint 2012 das zweite Album, welches er mit drei weiteren Mitstreitern einspielt und dem Projekt somit Bandcharakter verschafft.

"Prophet" ist ein vielschichtiges Werk mit einem herausragenden Song namens "Spore", der sich dramatisch Schicht um Schicht zur Hymne auftürmt und mit einer schrägen Hookline brilliert, wie man sie beispielsweise von Portugal. The Men gewohnt ist.

Viele Songs auf "Prophet" beginnen mit einer kleinen Pianomelodie, ehe sich Stück für Stück der Gesang und dann weitere Instrumente hinzufügen. Einfach sind diese nach Brents beliebtem, bei Menomema eingeführten, Cut-and-Paste-Verfahren erstellten Klanggebilde beim ersten Hören nicht unbedingt, aber wenn sich dann wie beispielsweise bei "Brevony" das böse Gitarren-Riff erst mal im Ohr festgebissen hat, gibt es kein Entrinnen mehr.



Song für Song entschlüsselt sich auf "Prophet" erst beim mehrmaligem Hören, dabei ist es egal, ob es sich um sanfte Stücke wie "Proof" oder rhythmusbetonte Stücke mit Synthi und sägenden Gitarren wie bei "Sqworm" handelt.

Ein kleines Meisterwerk mit grandiosen Widescreen-Melodien, wunderbar verschroben gefrickelten Arrangements und unzähligen kreativen musikalischen Auswüchsen. Normalerweise kann Musik, die so erschaffen wird, schnell leblos und zu verkopft wirken. Brent aber gelingt es, seinen Songs immer eine gewisse Intimität beizufügen, wodurch seine Stücken trotz aller Konstruktion emotional höchst wirksam sind.



Für Schnell-mal-20- Sek.-Preview-Anhörern der wichtige Hinweis: Kurzes Anspielen der Songs, um diese zu beurteilen, ist hier schlichtweg unmöglich und strengstens verboten! Es handelt sich ja nicht um Modern Talking-1-2-3-Kompositionen. Wobei mir das Wort Kompositionen im Kontext zu Bohlen schon richtig weh tut ;-(

Anspieltipps neben den bereits genannten Stücken:
  • "The Space between Lightning and Thunder": I call it ProgRockOper mit Hookline.
  • "Divide by Zero": Piano, dann fettes Schlagzeug bis zum furiosen Finale.
  • "Fingerhold": Wie wunderbar, wenn die Gitarren vom Schlagzeug getrieben die schlichte Melodie und den 1-2-Rhythmus in Stückchen zerlegen und der plötzlich präsente Groove in einen psychedelischen Rausch verfällt.
  • "Helium": Wie schön und weit kann man einen Song abdriften lassen ... bis in die Stratosspähre


Tracklist:
 01 Bodies Of Water   
02 The Space Between Lightning And Thunder     
03 Spore   
04 Divide By Zero   
05 Archimedes Plutonium   
06 Sqworm   
07 Fingerhold   
08 If I Equals U   
09 Brevony   
10 Proof   
11 Helium   



Sonntag, 23. Oktober 2016

QUICK & DIRTY: LEMON TWIGS / Do Hollywood [LP]

Veröffentlichung: 14.10.2016
Kategorie: All-IndiePop
Country: Long Island NY, USA


Members:
Brian D’Addario
(Gitarre, Keyboard, Gesang, Schlagzeug, etc.)
Michael D’Addario
(Gitarre, Keyboard, Gesang, Schlagzeug)

 

Eifrige Leser dieses Blogs wissen, dass ich mich von Genregrenzen eigentlich wenig aufhalten und mich Querbeet von allen musikalischen Richtungen begeistern lassen kann. Nur wenige Bands gibt es, mit denen ich mich, obwohl sie wohl zu recht (so sagt man) einen Stellenwert in der Popmusikgeschichte haben, gar nicht anfreunden kann.

Eine dieser Bands ist Queen. Irgendwie immer zu viel, zu operettenhaft, zu überkandidelt, zu ich weiß es ja auch nicht. Jetzt aber gibt es ein kaum dem Teenageralter entsprungenes Brüder-Duo namens LEMON TWIGS, das noch mehr überzieht und sogar Kirmes-Spektakel (auch etwas, dem ich eigentlich nicht viel abgewinnen kann) in seine ganz spezielle Art der Musik einfließen lässt. Das schier Unglaubliche, ich finde es ziemlich gut, was das schillernde Bruderpaar da so aus dem Zauberhut schüttelt!




Das Aufzählen der pophistorischen Einflüsse, aus dem sich die knallbunte Wundertüte "Do Hollywood" speist, würde den Artikel zum längsten Scroll der Bloggeschichte machen, weswegen ich es lieber lasse und als Vergleich für "Do  Hollywood" am ehesten "Sgt. Pepper's Lonely Hearts Club Band" von den Beatles anführe, um damit zumindest das Gröbste abzudecken. Der zweite wichtige Hinweis für Konsumenten dieses Konglomerats, dass Jonathan Rado von Foxygen das Album kurzerhand produzierte, nachdem die Jungs ihm einfach mal ihr Songmaterial zugeschickt hatten. Dritte wichtige Information: Die beiden androgyen Psychdeliker schauen nicht nur auf dem Cover aus wie die verschollenen jungen Brüder von David Bowie, sondern sie suhlen sich auch ausgiebig im GlamRock seiner frühen Jahre.

Damit ist alles gesagt, denn eine ausführliche fundierte Analyse des Albums kann man sich erst trauen, wenn man es mindestens 1000mal in den unterschiedlichsten Gefühlszuständen gehört und festgestellt hat, dass man noch immer Neues in diesem Sammelsurium des Wahnsinns entdeckt. Prädikat schwindelerregend!





Anspieltipps: Der Kirmes-Beatles-Zirkus-MashUp "I Wanna Prove To You" ... die SteelyDan-JohnLennon-Weird-Orgel-Ballade "These Words" ... die höchst charmante Ohrwurm-LoFi-Space-Operette "As long as we togehter" ... die Bombast-Kitsch-Psychedlic-Hymne "Frank" ... und das Break-the-Style-Opus "A Great Snake".

Tracklist:
01 I Wanna Prove To You
02 Those Days Is Comin’ Soon
03 Haroomata
04 Baby, Baby
05 These Words
06 As Long As We’re Together
07 How Lucky Am I?
08 Hi+Lo
09 Frank
10 A Great Snake


Donnerstag, 20. Oktober 2016

NEW SONGS Vol. 137: THE CRISPIES - Noose 'N' Go ... BOOGARINS / Elogio à Instituição do Cinismo ... DEEP SEA ARCADE / Learning to fly ... BILLY MOON / Roads


THE CRISPIES - Noose 'N' Go

Gab oder gibt es in der Musikgeschichte schon eine Band, die nur aus Linkshändern besteht? Das Quartett THE CRISPIES aus Wien jedefalls machen alles mit links!

Tino Romana (Gesang), Rob Wolfe (Gitarre), Bruno Marcus (Bass) und Peter (Schlagzeug) haben Spaß am dreckigen Rock 'n' Roll.

Es riecht nach Sex und Exzess, es knarzen die Gitarren und auch die Texte sind voller jugendlichem Sturm und Drang. Die Band selbst hat eine sehr schöne Analogie gefunden, um ihre Musik zu beschreiben: "Unsere Musik ist wie eine spontane Momentaufnahme, manchmal schön, manchmal etwas kaputt." Stimmt!




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BOOGARINS / Elogio à Instituição do Cinismo

Seit der Entdeckung von Os Mutantes für mich, irgendwann Anfang der 90er, habe ich immer ein Auge/Ohr für Bands aus Brasilien, die mit dem Etikett "Psychedelic" versehen werden.

Die BOGARINS sind eine PsychedelicRock-Band aus Goiânia der Hauptstadt des brasilianischen Bundesstaates Goiás, die 2013 von Dinho Almeida (Vocals, Gitarre) and Benke Ferraz (Gitarre) gegründet wurden. Zur aktuellen Bandbesetzung gehören noch die Herren Raphael Vaz am Bass und Ynaiã Benthroldo am Schlagzeug. Die Musik des Quartetts liegt irgendwo im psychedelischen Raum zwischen besagten Os Mutantes, Temples und  Tame Impala. Die Sprache ist portugiesisch.

Während auf dem letzen für den Grammy nominierten Album  "Manual ou Guia Livre de Dissolução dos Sonhos " (2015) das Ganze noch sehr poppig verpackt wurde, ist der erste neue Song "Elogio à Instituição do Cinismo" - was soviel bedeutet wie "Lobet die Institutionen des Zynismus" - deutlich rockiger und ja sogar agressiver. Bin sehr erwartungsfroh, was das neue Album betrifft und sicher, dass die Band ihren internationalen Erfolg zu recht ausweiten wird.




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DEEP SEA ARCADE / Learning to fly

Der Herbst ist die ideale Zeit, um getragene Musik an das eben noch sonnenverwöhnte Ohr zu lassen. DEEP SEA ARCADE aus Australien (Sydney) machen DreamPop mit psychedelisch schwebenden Keys, der so schön schwelgerisch ist, dass man sogar im hohen Alter wieder anfangen möchte, Kastanienmännchen zu bauen - wenn das nicht so verdammt Old School wäre.

Die beiden Bandgründer Nic McKenzie und Nick Weaver haben im Teenageralter angefangen, mit alten 4-Spur-Rekordern, Rundfunkmikrofonen, analogen Synthesizern und Computern Musik zu basteln. 2010 gründeten sie Deep Sea Arcade und veröffentlichten 2012 ihr in Australien vielbeachtes Debüt "Outlands", welches ihnen die Türe öffnete, um mit Bands wie Noel Gallagher's High Flying Birds, The Charlatans und Modest Mouse auf Tour zu gehen. Da blieb natürlich wenig Zeit, um ein Nachfolgealbum zu basteln, aber nun ist die hitverdächtige Lead-Single "Learning to Fly" auf dem Tisch und das zweite Album zu Beginn des nächsten Jahres angekündigt. Alles wird gut.




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BILLY MOON / Roads

Achtung, das Video verursacht wahrscheinlich irreversiblen Augenkrebs! Aber da es noch etwas bis zum neuen Foxygen-Album dauert, kann man sich die Zeit wunderbar mir dem schrägen Vogel BILLY MOON vertreiben.

In seiner Mail, die mich erreichte, schreibt der Kanadier sein Alter, Ego Billy Moon sei seine Chance zu sagen, was er möchte und die Möglichkeit die sludgey Version seines wahren Ichs zu präsentieren. Nach dem Begriff "sludgery" musste ich googeln und die Ausbeute "To describe a crazy night out, not neccesarily good, but just really messed up and mental." machte mir den Billy auf Anhieb sympathisch. Dann las ich auf seiner Bandcamp-Seite unter Info die trockenen Zeilen: "So, I went to school and left my friends at home. Here's my music." und jetzt bin ich fest davon überzeugt, dass Billy ein unglaublich netter Zeitgenosse ist.

Seine Musik lässt sich vielleicht am besten als FreakPop bezeichnen, der sich einen Scheiß um Genregrenzen kümmert. Der Refrain von "Roads" erinnert gar an gruselige Rocknummern, die in den 70ern und 80ern die Charts bevölkerten, aber Mr. Moon verpackt das so charmant, dass mir kein bisschen Übelkeit ausstößt.

Und wer den Knaben immer noch nicht mag, dem werfe ich noch ein paar Zeilen von ihm vor die Füße: "I've always felt like the weirdo in the room, there will always be a part of me that wants to raise a big middle finger to the rest of the world that says “fine, here I am, come and get me".

Billy komm nach Deutschland und lass uns gemeinsam ein Bierchen trinken. Du wärst der ideale Begleiter für Mac DeMarco, also schick dem Landsmann doch mal Musik von dir!




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Dienstag, 18. Oktober 2016

PARQUET COURTS live im G9 in Köln (18.10.2016)

Location: Gebäude 9, Köln
Date: 18.10.2016 
Support: Pill

 

2014 auf dem Dach des Museum Ludwigs im Rahmen der King Ludwig Konzertreihe, habe ich die PARQUET COURTS leider verpasst, weswegen sehr schnell die Tickets für das angekündigte Konzert 2016 im Gebäude 9 gebucht waren. Vorfreude also groß, auch wenn die aktuelle LP "Human Performance" nicht mit den beiden besten Scheiben "Light up Gold" (2012) und "Sunbathing Animals" der New Yorker mithalten kann, sicher auch, weil sie ein etwas anderes Territorium beackert. Aber dazu später mehr.

Für Mitte Oktober ist der Abend ziemlich lau und als wir uns zu neunt am Eingang des G9 treffen, lässt sich noch prima ein Spätsommer-Becks im Freien genießen. Ausverkauft wird das heute Abend wohl nicht, aber das spielt ja keine Rolle, wie gerade erst wieder das wohl fantastische Konzert - so mein treuer Konzertbegleiter C. - von P. J. Harvey im Palladium bewiesen hat.


Erste positive Überraschung: Der Merchandisestand ist prall gefüllt mit Vinyl und zu unserer Freude liegen da auch Scheiben einer Band namens PILL aus, was darauf schließen lässt, dass es wohl doch einen Support-Act geben wird.

Ziemlich pünklich um 20:30 erklingen die ersten schrägen Töne aus dem Konzertsaal, wohin wir uns dann auch schleunigst begeben. Auf der Bühne steht ein Quartett, das mit kakophonieartigen Tönen aus einem Saxofon sofort die Aufmerksamkeit auf sich lenkt. Das schmerzt stellenweise in den Ohren, hat aber eine immense Präsenz und Wucht. Die Stimme der Sängerin Veronica Torres geht durch Mark und Bein und passt, wenn man sich erstmal daran gewöhnt hat, auch ziemlich gut zum infernalischen PostPunk-meets-Noise-meets-Jazz-Sound.


Wie sich heraustellt, stammt die Band aus Brooklyn und wurde vom Parquet Courts Lead-Sänger Andrew Savage auf der Suche nach interessanten Bands für sein Label Dull Tools entdeckt. Im August erschien dann das Debütalbum "Convenience", allerdings bei einem anderen New Yorker Label (Kemado Records / Mexican Summer) und nun also auf Tour mit den Parquet Courts - kann schlechter laufen für eine Band, die noch keine zwei Jahre zusammen ist.


Diese Pille ist auf jeden Fall alles andere als eine Beruhigungspille! Für den ein oder anderen in unserer Gruppe ist das etwas zu schwere Kost. Frau H. liebäugelt schon mit einer frühzeitigen Heimkehr, aber besonders beim männlichen Anteil erwärmt man sich zusehend für den furiosen Gig von Pill. Es fallen Vergleiche zu Pere Ubu, The Mars Volta und den Slits!

Die Mixtur aus FreeJazz, New Wave und PunkArt lebt vom Freiraum, dem die Musiker ihren Instrumenten geben. Obwohl die Songs in sich geschlossen sind, scheint jeder ganz wie beim FreeJazz auch immer und jederzeit ausbrechen zu dürfen. So wechseln sich Schlagzeuger Andrew Spaulding, Gitarrist Jon Campolo und Saxofonist Benjamin Jaffe in ihren exstatischen Ausbrüchen immer wieder ab, während Frontfrau Veronica Torres souverän den roten Faden mit feministisch geprägten Texten spinnt.



Natürlich wandert an diesem Abend auch das Vinyl von Pill (danke für das Signing an Bad Roni) in meine Tasche und beim Hören Zuhause kristallisieren sich doch tatsächlich so etwas wie Hits aus dem Album. Wer es nicht glauben mag, sollte sich die Pill-Songs "My Rights", "Fetish Queen", "Dead Boys", "Sex with Santa", "Vagabond" und "Medicine" mal mehrfach auf der Zunge zergehen lassen. Danke für einen endlich mal wieder großartigen Support-Act!

Dann kommen die PARQUET COURTS. Der Einstieg ist fulminant! Die vier Herren feuern direkt aus allen Rohren und schießen mit "Docking and Dodging" vom 2014er Album "Sunbathing Animals" einen ihrer stärksten Songs direkt zu Beginn ab. Die Köpfe im Publikum beginnen sofort zu wackeln, aber die höchste Gefahr für ein Schütteltrauma hat Bassist Sean Yeaton, der sein mittlerweile schulterlanges Haar bangt wie ein wildes Heavy-Metal-Girl.

Interessant zu sehen ist, wie sich die Band auf der Bühne positioniert hat. Lead-Sänger Andrew Savage befindet sich links am Bühnenrand und Gitarrist Austin Brown, der übrigens nicht nur aussieht wie ein Doppelgänger Thorsten Moores, sondern auch in seinen Gesten an den Frontmann von Sonic Youth erinnert, am rechten Bühnenrand. Im Zentrum steht der Bassist und Schlagzeuger Max Savage dahinter, wobei letztere ein Mittel für Unsichtbarkeit gefunden zu haben scheint, denn im nachinein fällt mir auf, dass ich so gut wie nie auf sein Trommeln aufmerksam wurde - das war beim Support Pill übrigens ganz anders.



Die zweite Nummer ist der potentielle Hit vom aktuellen Album: "Dust", eine sehr rhythmusbetonte Nummer mit witzigem Text, die sich wie die gesamte neue Platte etwas vom Garage-PunkRock der Frühzeit enfernt und in dem ich stellenweise sogar Ähnlichkeiten zu einigen Talking Heads-Songs (man höre ("One Man, No City") ausmache.

Nach dem bärenstarken Opening wird es allerdings zu einem sehr schwankenden Abend, das liegt an viellerlei Dingen. Erstens die Band hat Songs von sehr unterschiedlicher Qualität und viele Songs, die sich ähneln, zweitens die Band spielt verdammt perfekt. Es erinnert mich an Konzerte von den Foals oder The Coral, wo die Perfektion den Spaß, welchen man live einfach gerne spüren möchte, zurückdrängt. Das spielt bei Bands mit fast ausnahmslos starkem Songmaterial und die auch auf Platte einen Hang zur Perfektion haben, wie eben die Foals oder The Coral, weniger eine Rolle als bei Bands wie den Parquet Courts, die auf ihren Platten ja durchaus auch eine gewissen Dirtyness transportieren oder besser kultivieren.



Drittens die Band wirkt bis auf Thorsten Moore-Double Austin Brown irgendwie arrogant und/oder genervt. Das liegt am unterkühlten Auftritt, der zwar die typsiche Schnoddrigkeit der Songs unterstreicht, aber auch an den seltsam lustlosen und launischen Ansagen, welche die Band während des Konzertes, zum Beispiel an ein paar vor der Bühne herumhüpfenden Kids von sich gibt. Unsicherheit ist es bei einer so liveerprobten und erfolgreichen Band doch wohl nicht, also muss es Arroganz sein oder hatten die Herren an diesem Abend einfach einen schlechten Tag?



Aber wie gesagt, es schwankte hin und her, denn klanglich und handwerklich überzeugte die Band und immer wieder schlugen Highlights wie das großartige "Borrowed Time" vom Monster-Album "Light up Gold" aber auch neue Songs wie "Human Perfromance" auf der positiven Seite zu buchen. Letztendlich kaufte sich dann aber sogar mein treuer Konzertbegleiter C. nach dem Konzert ein Vinyl der Parquet Courts, obwohl er mehr Punkte auf der Soll- als auf der Haben-Seite verbuchte, weil sie machen halt schon geile Musik diese New Yorker.

Ö



Montag, 17. Oktober 2016

GURR / In my Head [LP]

Musikalisch wurden wir eher von Bands wie Gun Club, Echo & the Bunnymen, den B52's oder Klassikern wie den Ramones oder Beatles inspiriert als von Riotgrrrls-Bands wie Bikini Kill“ erklärt Sängerin Andreya Casablanca, die eine Hälfte vom in Berlin ansässigen Duo GURR.


Oftmals fragt man sich dann bei Bands, wo diese Einflüsse denn geblieben sind, aber beim GaragePop der beiden Wahlberlinerinnen sind die Inspirationsquellen deutlich zu entdecken. Es rumpelt aus der Garage wie bei den Ramones, ab und an schimmert der düstere PostPunk des Gun Glub durch und die eingängigen poppigen Melodien schmecken nach den beiden Liverpooler Bands.

Im Mai diesen Jahres, damals noch als Trio (Wo ist Jill?) unterwegs, beigeistert mich die bereits 2015 erschienene EP "Furry Dreams" und daran hat sich natürlich auch nichts geändert. Dann erschien im September mit "Moby Dick" die erste Nummer vom Debütalbum, dass nun endlich in den Regalen steht.



"In my Head" startet vielversprechend mit "Breathless". Eine hektische Gitarre, ein zackiger Beat, eine bekömmlich hysterische Stimme, kleine krawallige Ausbrüche und es geht um eine Nacht, die bis in den Morgen geht. Kann gerne so atemlos weitergehen.

Bei "#1985" setzen die beiden Freundinnen Andreya und Laura auf einen treibenden Schlagzeugrhythmus, Melodie und Chorgesänge. Hat Zug, aber Melodien können die Mädels noch besser, was der nächste Song "Moby Dick" beweist. Über den Song habe ich mich ja bereits in den NEWSONGS 132 ausgelassen, fehlt nur noch der Hinweis, dass es inhaltlich um die Konfrontation mit der eigenen Ignoranz geht. Sollte man also vielleicht einem gewissen Herrn Trump besonders ans Herz legen.

Der Song "Walnuss" überrascht mit einem deutschen Text. Ausgestattet mit einem rumpelnden Beat und der Mädchenchor-Melodie wieder eine neue Variante, die Gurr ihrem Repertoire hinzufügen. Die Gitarre und der Basslauf bei "Yosemite" erinnern an die frühen The Cure. Gurr beobachten dabei als Außenstehende den Verlust einer Liebe.




Mit seinen feinen Tempiwechseln und dem Lofi-Gescheppere klingt "Free wie ein improvisierter Jam aus der Garage, dass die Garage in Berlin steht, mag man kaum glauben, so sehr klingt es nach US-Westküste. "Klartraum" schließt nahtlos an, drückt aber noch mal das Gaspedal richtig durch.

Der Surf-Sound, der schon in einigen Songs durchschimmerte und besonders bei  "Moby Dick" dominiert, tritt bei "Rollerskate" noch deutlicher zutage. Very fein", wie man hier zu sagen pflegt. Mein Highlight auf "In my Head" ist aber das grandios aufspielende "Diamonds". Wunderbar, wie der Song bei 0:58 Sekunden explodiert und die punkige Energie, die auf "Furry Dreams" noch wesentlich mehr zum Tragen kam, ausbricht.


Woher kommen die Mädels eigentlich wirklich? Wie kam es zum Bandnamen? Hier gibt es die Antworten!

Ein Frauenschrei, wie aus einem alten Horrorstreifen, eröffnet "Computer Love". Twang! Twang! Da hört man jetzt auch beim Gesang deutlich den B-52's Einfluss durch. Der letzte Song des Albums "Song For Mildred" ist eine LoFi-Ballade, die als Ausklang ganz gut funktioniert, ein bisschen an die hochverehrten Galaxie 500 erinnert, aber sicher nicht das stärkste Stück der Platte ist.

Insgesamt ein wirklich rundes Album, das sicher auch international (trotz des Lidl-Logos auf dem Cover ;-) ) auf sich aufmerksam machen wird, aber mir persönlich fast schon ein bisschen zu viel poliert wurde, weil die unbändige Energie und Lust des Duos, zumindest auf Tonträger, etwas an Vehemenz verloren hat. Hoffe, ich kann mich bald davon überzeugen, dass dies live keine Auswirkungen hat, also auf nach Köln Mädels! Und bitte in keinem Radiointerview mehr so tun als wäre Franken gleich Bayern ;-).



Tracklist:
01 Breathless
02 #1985
03 Moby Dick
04 Walnuss
05 Yosemite
06 Free
07 Klartraum
08 Rollerskate
09 Diamonds
10 Computer Love
11 Song For Mildred

Mittwoch, 12. Oktober 2016

KATE TEMPEST / Let Them Eat Chaos

Ketamin ist ein Anästethikum, welches eingesetzt wird, um Schmerzen zu bekämpfen. Im Gegensatz zu anderen Narkotika und Analgetika ist es eine Rauschdroge, die zwar Schlaf- und Schmerzfreiheit erzeugt, dabei aber weitgehend die Schutzreflexe erhält. Den Menschen in den Geschichten der britischen Dichterin und Songwriterin KATE TEMPEST geht es vorwiegend schlecht, so schlecht, dass sie diese Droge bereits zum Frühstück benötigen ("Ketamine For Breakfast"), auch wenn immer wieder Hoffnung durchschimmert.


Kate Esther Calvert, 1985 im Süden Londons geboren, war das fünfte Kind einer Arbeiterfamilie, die laut eigener Aussage in einem beschissenen Teil der britischen Hauptstadt lebte. Aber sie hatte ein gutes Zuhause und es gab immer etwas zu essen.

Mit 14 Jahren arbeitet sie nebenbei in einem Plattenladen (bis zum 19ten Lebensjahr), mit 16 Jahren bricht sie die normale Schule ab, besucht eine Musikschule und formuliert ihre Wut und Enttäuschung als Rapperin. Zeitgleich beginnt sie an Poetry Slams teilzunehmen. 2012 erscheint ihr erster Gedichtband, 2013 ihr erstes geschriebenes Theaterstück und 2014, neben zwei weiteren Theaterstücken, ihr Debütalbum "Everybody Down" mit der Lead-Single "Marshall Law" (Review).

2015 arbeitet Kate gleichzeitig an ihrem ersten Roman und am zweiten Album. 2016 werden die Früchte ihrer Arbeit veröffentlicht. Der Roman "Worauf du dich verlassen kannst" ist seit Mai diesen Jahres (auch auf deutsch) erhältlich und am 7. Oktober erschien das Album "Let Them Eat Chaos", auf dem sich Kate den Schlaflosen widmet.



Die 13 Kapitel starke musikalische Gedichtsammlung startet mit "Picture A Vacuum" wie eine Lesung, bei der nur spärliche musikalische Begleitung im Hintergrund zu hören ist. Kein Beat, nur geräuschartige Klänge und eine Geschichte. Kate befindet sich in der unendlichen Weite des Weltalls, schaut auf unseren blauen Planeten und blickt aus dieser Perspektive in die Wohnungen der Menschen, deren Leben und Gefühlszustände sie nachfolgend schildert. Es ist tiefe Nacht, wenige Minuten nach 4 Uhr. Aus dieser Perspektive und in der Dunkelheit der Nacht scheinen diese Lebenswelten mikroskopisch klein und belanglos, aber diese Gewichtung verschiebt sich, wenn Kate als stiller Beobachter detailreich die Protagonisten in den Fokus stellt.

Mit dem zweiten Song "Lionmouth Door Knocker" setzt der Beat ein und Tempest skizziert ein Bild des geteilten Londons. Die Reichen auf der einen und die Armen auf der anderen Seite.

Mit "Ketamine For Breakfast" galloppieren die apokalyptischen Reiter, die gerade noch verhältnismäßig zaghaft an die Türe klopften unaufhaltbar los. Tempest macht keine Gefangenen. Die Protagonistin Jemma in "Ketamine For Breakfast" ist gebrochen. Gebrochen durch ihr soziales Umfeld, durch Drogen und ihr Leben. Sie arbeitet hart, sie kann nicht schlafen, sie denkt über ihr beschissenes Leben nach.

Wo andere den Finger in die Wunde legen und ihre Wut herausschreien, wie beispielsweise die Sleaford Mods oder M.I.A., nimmt Kate beide Hände und weitet die Wunden so sehr, dass man sie nicht mehr übersehen kann. Nicht durch brachiale Gewalt, sondern durch explizite Lyrics über Einzelschicksale (Jemma, Esther, Alesha, Pete, Bradley, Zoe und Pious) und schlichtes Augenöffnen. Da liegen sie nun offen die Missstände im angeblichen Schlaraffenland Europa: Verwirrung, Angst, Einsamkeit, Hoffnungslosigkeit, Entfremdung, Ratlosigkeit. What a fuck!

Europa hat keine Zukunft mehr, Europa ist verloren ("Europe Is Lost") - oder zumindest auf dem besten Weg dahin. Den Song schrieb Tempest sechs Monate bevor Großbritannien Europa mit dem selbstgewählten Brexit den Rücken kehrt.



Eine Krankenschwester, Esther, kommt kurz nach 4 Uhr von der Nachtschicht nach Hause. Sie kann nicht schlafen, sie sitzt in ihrer Küche und verarbeitet bei einem Bier in Gedanken die Erlebnisse ihres beschissenen Tages. Alles glänzt auf den Straßen, das System funktioniert, alle arbeiten, betäuben sich mit Drogen oder schlimmer noch, nehmen Drogen, um leistungsfähiger zu sein. Darüber spricht niemand. Angst hat man vor den Terroristen, den faulen Kern im Inneren sieht man nicht. Die Gewalt nimmt zu, die Natur liegt im Sterben, die Schere zwischen reich und arm droht zu zerreißen, aber wir vergnügen uns mit Porno-Streams aus dem Internet und suchen das Heil im Patriotismus.

"And you wonder why kids want to die for religion?" Tempest macht keinen Spaß. Düstere Beats und industrielle Geräusche flankieren ihre Geschichten aus dem sterbenden London. Wir sterben.

In "We die" sieht Alesha den Tod. Ihr verstorbener Mann besucht sie in ihren Träumen. Es wirkt so real, sein T-shirt ist blutig, sie sieht ihn fallen, aber sie glaubt nicht an Geister. Es ist 4:18 Uhr als sie erwacht und die Gedanken beginnen zu fließen.

"Whoops": Junkie Pete ist ein Straßenjunge. Arbeitslos. Wir kennen ihn vom ersten Album. Auch er ist wach in dieser Nacht. Er wankt betrunken und betäubt durch die Straßen. Er ist noch 14 Türen weit von Zuhause entfernt. Wie erstaunlich sich Tempest musikalisch weiterentwickelt hat, wie sehr Worte und Töne miteinandner verschmelzen zeigt das ganze Album, aber das nach Sleaford Mods und Mike Skinner klingende "Whoops" ist eines der besten Beispiele dafür.

Beim kurzen Intermezzo "Brews" informiert der auktoriale Erzähler darüber, dass ein Sturm über London aufzieht. Passt auf! "Don't Fall In"! Die Naturgewalten sammeln ihre Kräfte und beginnen sich zu entfalten. Der Regen peitscht, die Beats ebenso.



Szenenwechsel. "Pictures On A Screen". Der Beat plätschert sanft. Wir erfahren vom PR-Mann Bradley, der eigentlich alles hat, aber doch nur vor sich hinlebt und nicht weiß, ob er wirklich ist. Tage vergehen wie die wechselnden Bilder auf seinem Bildschirm. Er kann nicht schlafen und schaut aus dem Fenster auf die wenigen beleuchteten Fenster in der nächtlichen Stadt.

Wahrscheinlich lebt er in der Nähe von Zoe, die in einem Viertel in London lebt, das der Gentrifizierzung anheim gefallen ist. Sozial schwache Bewohner werden vertrieben und machen Platz für wohlhabende Bevölkerungsgruppen. Hippe Franchiseunternehmen verdrängen kleine Geschäfte und offerieren zu horrenden Preisen den angeblich perfekten Kaffee ("Perfect Coffee"). Alles so schön neu hier.

"Grubby": Im fünften Stock hinter einer roten Türe lebt Pious, sie kann nicht schlafen, sie hat Liebeskummer weil sie nicht lieben kann. Neben ihr liegt ein schlafender Körper Während der Erzähler uns einen kurzen Überblich über ihre Geschichte gibt, hört man nur eine Sounduntermalung als höre man gerade im TV Breaking News, dann setzt der harte Beat ein und wir treten ein in die Gedankenwelt von Pious.

Zu dramatisch ansteigenden pulsierenden Klängen gibt Tempest bei "Breaks" den Erzähler, der uns verkündet, dass der gewaltige Sturm nun seinen Höhepunkt erreicht. Unsere sieben Anti-Helden verlassen gegen jede Logik den Schutz ihrer Häuser und staunen auf den Straßen über die Macht der Naturgewalt. Die Verlorenen treffen sich. Kann diese Kraft die Krankheit ihrer und unserer Herzen heilen? Fließend geht es über in "Tunnel Vision", die Beats kehren zurück, die Keys brummen gefährlich. Wie können wir aufwachen? Aufwachen aus dem Dilemma, in welches wir uns selber manövriert haben. Wie können wir unsere Kultur von dieser Krankheit befreien?

Kate ist eine Geschichtenerzählerin. Tempest predigt. Ja, sie erhebt den Zeigefinger. Aber sie will nichts weiter, als dass wir nachdenken und erkennen, dass wir das Kleine wahrnehmen müssen, um das große Ganze zu begreifen - und es zu ändern. Tempest gibt in all ihrer Düsternis auch Hoffnung. Achtet aufeinander!

"A night to remember / That we’ll soon forget"
(Esther)

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Tracklist:
01 Picture A Vacuum
02 Lionmouth Door Knocker
03 Ketamine For Breakfast
04 Europe Is Lost
05 We Die
06 Whoops
07 Brews
08 Don't Fall In
09 Pictures On A Screen
10 Perfect Coffee
11 Grubby
12 Breaks
13 Tunnel Vision

Montag, 10. Oktober 2016

NEW SONGS Vol. 136: NORTH DOWNS / Nothin' ... WOMPS / Plasticine ... WARHAUS / Memory ... EFTERKLANG / The Colour Not of Love


NORTH DOWNS / Nothin'

Ein Soundgebräu, welches an den ArtPop von  Django Django einerseits und wegen des hypnotischen Grooves an Bands aus der  Madchester-Bewegung andererseits erinnert, rühren die Jungs von NORTH DOWNS auf ihrer ersten Veröffentlichung dem Song "Nothin'" an.

Es groovt, die Synthis wabbeln, die Gitarre flankiert elegant die dunklen Beats und die Stimme klingt mit den spooky Backing Vocals unterkühl,t aber flehentlich. Alle Zutaten bestens verrührt!

Über die britische Band gibt es noch nicht viele Informationen - alles irgendwie mysterös - da scheint man sich wohl die legendären WU LYF als Vorbilder zu nehmen. Die Homepage der Band präsentiert aussschließlich den einen Song und der Twitter-Account, obwohl bereits seit 2013 aktiv, hat ganze 4 Tweets und 23 Follower und auch die Facebook-Seite gibt keine weiteren Informationen preis. Aber ich bin mir sicher, das wird sich in nächster Zukunft rapide ändern ...




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WOMPS / Plasticine

Ja, es ist wahr, singen kann Sänger Ewan Grant eigentlich nicht. Der Mann rotzt die Töne derart schräg und falsch ins Mikro, dass er in jeder dieser schrecklichen Casting-Shows, wenn er nicht einen schweren Schicksalsschlag zu verkraften hatte, bereits in der ersten Runde seinen Hut hätte nehmen müssen.

Aber Bob Dylan oder Pete Doherty sind auch keine begnadeten Sänger und so schert sich Ewan nicht um sein Handicap und macht mit seinem Bandkollegen Owen Wicksted (Schlagzeug, Bass, Synthesizer) unter dem Namen WOMPS, PostPunk mit NewWace-Anleihen in der Tradition schottischer Bands aus den 80er und 90er Jahren, also hymnische Songs mit sozialkritischen Lyrics und eingängigem Refrain.

Das Debütalbum "Our Fertile Forever" der Band wurde in Chicago von niemand geringerem als Steve Albini produziert und erschien bereits im Juni dieses Jahres





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WARHAUS / Memory

Nein, die Dame auf dem Cover ist nicht die umwerfende Scarlett Johansson, sondern Sylvie Kreusch, die bei "Memory" die aphrodisierenden Backing Vocals beisteuert. Kreusch ist allerdings kein festes Mitglied von WARHAUS, denn unter diesem Namen wandelt Balthazar-Frontmann Maarten Devoldere ganz alleine auf Solopfaden.

Eigentlich muss man sich das Album "We Fucked a Flame Into Being", welches Anfang September erschienen ist, schon wegen des grandiosen Film-Noir-Covers kaufen und es in einen Rahmen für die Wand packen, aber wahrscheinlich käme man mit dem rein- und rausnehmen des Vinyls gar nicht hinterher, weil man die Scheibe einfach ständig auf dem Dreher haben will, denn nicht nur "Memory" ist großartiger leidenschaftlicher, lustvoll melancholischer IndiePop.




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EFTERKLANG / The Colour Not of Love

Eigentlich tue ich mich oft schwer mit der Musik von EFTERKLANG, die man wohl als opernhaften PostRock bezeichnen kann, aber dann gibt es doch immer einzelne Stücke, die mich faszinieren.

Die neue Single "The Colour Not of Love" ist eines dieser Stücke, wo es der dänischen Formation gelingt, mit ihrem Crossover aus Klassik und Pop eine unvergleichliche Soundlandschaft zu generieren, bei der man vor dem geistigen Auge förmlich Eisberge aus dem Meer emporsteigen sieht.

Das Stück ist auf der neuen Platte "Leaves - The Colour of Falling" enthalten, welches Opern- und Rock-Fans gleichermaßen ansprechen dürfte. Das Kopenhagener Opern Festival gab den Auftrag zu diesem Werk, welches im Sommer 2015 an sechzehn ausverkauften Nächten im Atomschutzkeller des ehemaligen städtischen Krankenhauses der dänischen Hauptstadt aufgeführt wurde und frenetische Kritiken erntete. Neben Efterklang waren zahlreiche weitere Musiker an dem Projekt beteiligt und die Texte stammen aus der Feder der dänischen Dichterin Ursula Andkjær Olsen.




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Mittwoch, 5. Oktober 2016

NEW SONGS Vol. 135: FAMILY JOOLS / Twisted Side ... SPARKLING / Something like you ... NO MEN / Stay Dumb ... FRANCIE MOON / Francie Moon [EP]


FAMILY JOOLS / Twisted Side

Achtung Brit-Hype! Aber davon abgesehen gibt es nix zu meckern an dem Quartett FAMILY JOOLS aus Bristol.

Sänger und Gitarrist Georg Sims hat eine feine, im richtigen Moment auch rotzige Stimme und die Gitarrenlicks, die sich zwischen The Strokes und ähhhm Guns N’ Roses tummeln, sind nicht zu glatt, sondern schön lärmig.

"Twisted Side" ist die erste Single der Band und wenn George, Euan Palmer (Drums), Barney Raynsford (Bass) und Jack Hawkins (Gitarre) das exzellente Songwriting dieser Nummer bestätigen, dann haben sich End of the Trail Records da einen echten dicken Fisch geangelt!




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SPARKLING / Something like you

Scheint ein gutes Jahr für Köln zu werden. Der FC rockt die Bundesliga und mit Wellness (Review) gab es auch schon ein sehr beachtenswertes musikalisches Ausrufezeichen aus der schlagzeilenträchtigen Stadt am Rhein.

SPARKLING
sind ebenfalls aus Köln und wenn man den energiegeladenen hektischen Song "Something like you" hört, muss man unweigerlich an die Arctic Monkeys denken.

Die Nummer ist auf der am 23. September erschienenen EP "This is not the paradise they told us we would live in" zu finden, auf der sich noch weitere drei feine Songs mit knackigen Riffs und bissigen Lyrics befinden. Come on Sparkling!




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NO MEN / Stay Dumb

Ja, ich mag böse Mädchen. Savages, Le Butcherettes. Like!

Das Trio NO MEN stammt aus Chicago, besteht aus den beiden zornigen Mädchen Pursley (Vocals, Schlagzeug) und DB (Gitarre) sowie Schlagzeuger Eric Hofmeister und schlägt in die selbe Kerbe wie oben genannte Bands.

Der Sound? Er integriert alles, was laut ist und Energie frei setzt: Punk, Grunge, aber auch Post- und GothicRock. "Stay Dumb" ist nach "Sleeping with the Enemy"die zweite Single aus dem am 8. Oktober auf Tape erscheinendem Album "Dear God, bring the Doom", das man in digitaler Form bereits über die Bandcamp-Page der Band erwerben kann.





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FRANCIE MOON / Francie Moon [EP]

Es gibt Songs, in die man sich augenblicklich verliebt. "Walked away" ist ein solcher Song. Eine hinreißende LoFi-Schrammelnummer mit jeder Menge Sixties-Feeling, Hippie-Flair und einer Hookline, die man mit ins Bett nimmt. Wer die Band Woods liebt, sollte auf jeden Fall FRANCIE MOON kennenlernen.

Francie Moon ist eine Singer/Songwriterin aus New Jersey, die bisher leider noch kein ganzes Album, dafür aber schon einige wunderbare EPs veröffentlicht hat. Der neueste Streich, eine drei Songs umfassende EP nennt sich einfach "Francie Moon" und sollte dafür sorgen, dass alle Welt hört, dass die Amerikanerin reif ist für ihren ersten Longplayer. Ich bin auf jeden Fall entzückt vom authentischen Folk-Garage-Blues-Rock-Sound der Dame und habe mich auf ihrer Bandcamp-Page entsprechend eingedeckt. Tipps: "So this is Life" und "Ain't got time" und natürlich alle drei Songs von der neuen EP auf der Francie den Klang ihrer Songs stark verbessert hat, aber immer noch charmant nach LoFi klingt.



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Montag, 3. Oktober 2016

QUICK & DIRTY: PIXIES / Head Carrier [LP]

Veröffentlichung: 30.09.2016
Kategorie: IndieRock
Country: Boston, USA


Members:
Black Francis (Gesang, Gitarre)
Joey Santiago (Gitarre)
David Lovering (Schlagzeug)
Paz Lenchantin (Bass)

 

Als die PIXIES 1989 ihr zweites Album "Doolittle" herausbrachten, lebte ich in einem Studentenwohnheim, wo wir uns in losen Abständen trafen, um uns gegenseitig unsere musikalischen Neuentdeckungen auf Platte vorzustellen. Die Abende waren immer sehr unterhaltsam, weil  die vier Teilnehmer an diesem Meeting sehr unterschiedliche Musikgeschmäcker hatten. So wurde ich auf der einen Seite zwar mit Gesängen von Grönemeyer oder Herman van Veen malträtiert, lernte aber auf der anderen Seite auch Bands wie Steely Dan oder The Nice kennen.

Der Abend, an dem ich die Pixies mitbrachte und einen Song vorstellte - ich kann mich nicht mehr wirklich erinnern welcher es war, aber ich glaube "Debaser" oder vielleicht "Moneky gone to Heaven" - blieb mir für immer im Gedächtnis.



Neben heißen Diskussionen über die musikalischen Beiträge wurden die vorgestellten Songs auch  nach einem Bewertungssystem ausgewertet und ich habe an all den zahlreichen Abenden nie weniger Punkte für einen Beitrag erhalten als an besagtem Abend für die Pixies, welche ein Teilnehmer der Runde damals sogar als Nixies verunglimpflichte.

Die Pixies gibt es immer noch, oder besser gesagt nach einer Unterbrechung seit 2003 wieder, und es wird wohl nur sehr wenige geben, die mir heute widersprechen, wenn ich sage, die Pixies sind zu einer Institution im IndieRock geworden, die zahlreiche Meilensteine im Genre gesetzt hat. Wahrscheinlich finden sie mittlerweile sogar meine damaligen Mitbewohner gut ;-)

Natürlich haben sie nicht mehr die innovative Kraft ihrer Anfangstage, aber trotzdem stecken sie locker noch unzählige neue Bands des Genres mit links in die Tasche. Und hört mir auf mit dem Gequatsche Kim oder Francis, die können sich hassen oder lieben, die Mucke mag ich von beiden!

Pixies - Tenement Song from Pixies on Vimeo.

Nicht alle der mittlerweile sieben erschienenen Studioalben sind absolute Meisterwerke wie das Debüt "Surfer Rosa", aber das melodiös krawallige und kraftvolle neue Album "Head Carrier" gehört eindeutig mit auf das Siegerpodest, wenn man die Top-Alben der Band küren müsste. Und ich würde behaupten, die neue Dame am Bass hat nicht wenig Verdienst daran!

Anspieltipps: "Head Carrier", "Baal’s Back", "Might As Well Be Gone", "Bel Esprit",  "All I Think About Now", "Um Chagga Lagga"

Tracklist:
01 Head Carrier
02 Classic Masher
03 Baal’s Back
04 Might As Well Be Gone
05 Oona
06 Talent
07 Tenement Song
08 Bel Esprit
09 All I Think About Now
10 Um Chagga Lagga
11 Plaster Of Paris
12 All The Saints